Kimchi

Warum ich noch nie Kimchi selbst fermentiert habe

Warum ich noch nie Kimchi selbst fermentiert habe

Meine Eltern sind in diesen Wochen in Südkorea und plötzlich stand ich vor einem Problem: Ich hatte nicht mehr genug Kimchi.

Das klingt erstmal banal, aber tatsächlich habe ich mein ganzes Leben lang Kimchi von meiner Mutter bekommen. Sobald mein Kimchi-Vorrat sich dem Ende näherte, reichte ein Anruf: „Hast du Kimchi für mich?“ Und die Antwort war immer: „Ja, natürlich.“ Kimchi von meiner Mutter zu bekommen, ist vermutlich eine der konstantesten Dinge in meinem Leben.

Als ich angefangen habe, selbst koreanisch zu kochen, kam mir trotzdem nie die Idee, Kimchi zu fermentieren. Meine Mutter hat Kimchi immer gleich in großen Mengen gemacht – 20 bis 30 Kilo Chinakohl – und allein dieser Anblick wirkte auf mich schon sehr aufwändig. Einfache Varianten wie Geotjeori oder Gurkenkimchi bereite ich natürlich zu, aber das klassische, fermentierte Kimchi eben nicht.

Ein Teil davon war sicher Bequemlichkeit. Aber der größere Grund war Respekt.

Für mich ist Kimchi die Königsdisziplin der koreanischen Küche – so etwas wie der Gradmesser dafür, wie gut man wirklich koreanisch kochen kann. Und wenn die eigene Mutter (und auch die Schwiegermutter) exzellentes Kimchi machen, legt man die Messlatte automatisch sehr hoch. Vielleicht zu hoch.

In meinen Kochkursen habe ich dann gemerkt, dass viele viel unvoreingenommener an das Thema herangehen. Ohne Vergleich, ohne Druck, einfach mit der Bereitschaft, es auszuprobieren. Und genau diese Leichtigkeit hat mir gefehlt – obwohl ich eigentlich jemand bin, der Dinge einfach macht.

Also habe ich es ausprobiert. Zum ersten Mal.

Und was soll ich sagen: Mein Kimchi ist richtig gut geworden.

Für gutes Kimchi ist es vermutlich eine Mischung aus einem guten Rezept (in meinem Fall aus dem Kochbuch "Ogam" meiner Schwester), den richtigen Chiliflocken und einem Gefühl dafür, das ich über Jahre entwickelt habe. Denn aufgewachsen mit der koreanischen Küche weiß ich natürlich, wie gutes Kimchi schmecken soll.

Und um wirklich gutes Kimchi zu machen, kommt noch eine weitere Komponente dazu: Erfahrung. Das ist der Teil, von dem ich heute weiß, dass ich ihn mir erst über die Zeit erarbeiten werde. Aber ich habe angefangen – und das ist vermutlich der entscheidende Schritt.