Wenn heute von Tteokbokki die Rede ist, denken die meisten an die leuchtend rote Streetfood-Version mit Gochujang. Das Gericht gehört zu den bekanntesten Speisen Koreas und wird an nahezu jeder Straßenecke verkauft.
Doch nur wenige wissen: Das ursprüngliche Tteokbokki war weder rot noch scharf.
Seine Wurzeln liegen in der königlichen Hofküche der Joseon-Dynastie und reichen mehrere Jahrhunderte zurück. Die ursprüngliche Variante trägt den Namen Gungjung Tteokbokki – wörtlich übersetzt „Tteokbokki des königlichen Hofes“.
Vom Palast auf die Straße
Der Name verrät bereits die Herkunft des Gerichts.
Gungjung bedeutet „königlicher Hof“, Tteok steht für Reiskuchen und Bokki beschreibt eine Zubereitungsart, bei der Zutaten unter Rühren geschmort oder gebraten werden.
Während die heutige Streetfood-Variante vor allem für ihren scharfen Geschmack bekannt ist, galt Gungjung Tteokbokki über viele Generationen als Gericht der Oberschicht. Reiskuchen waren damals deutlich aufwendiger herzustellen als heute und wurden oft zu besonderen Anlässen serviert.
In historischen Quellen aus der Joseon-Zeit finden sich verschiedene Gerichte mit Reiskuchen, die der heutigen Variante ähneln. Viele Historiker vermuten zudem, dass Gungjung Tteokbokki vom berühmten Gericht Japchae inspiriert wurde. Deshalb wird es gelegentlich auch als Tteok Japchae bezeichnet.
Warum war Tteokbokki früher nicht scharf?
Wer das heutige Tteokbokki kennt, stellt sich diese Frage fast automatisch. Die Antwort ist einfach: Als die ursprüngliche Form des Gerichts entstand, spielte Chili in der koreanischen Küche noch keine Rolle.
Statt einer scharfen Sauce wurden die Reiskuchen mit Sojasauce gewürzt und gemeinsam mit Rindfleisch, Pilzen und saisonalem Gemüse zubereitet. Das Ergebnis war ein mildes, herzhaftes Gericht mit einer glänzend braunen Farbe. Deshalb wird Gungjung Tteokbokki manchmal auch Ganjang Tteokbokki genannt – also Sojasaucen-Tteokbokki.
Ein Gericht für besondere Anlässe
Anders als die heutige Streetfood-Version bestand die königliche Variante aus hochwertigen Zutaten.
Typisch waren:
- Reiskuchen (Tteok)
- fein geschnittenes Rindfleisch
- Karotten
- Zwiebeln
- Pilze
- saisonales Gemüse
- Sojasauce und Sesamöl
Die Kombination aus Fleisch, Gemüse und Reiskuchen machte das Gericht zu einer ausgewogenen Mahlzeit, die sowohl bei Festen als auch am königlichen Hof serviert wurde. Noch heute wirkt Gungjung Tteokbokki deutlich eleganter als die moderne Streetfood-Version.
Die Geburt des roten Tteokbokki
Die heute bekannte scharfe Variante entstand erst viele Jahrhunderte später.
Besonders nach dem Koreakrieg verbreitete sich Tteokbokki als günstiges Straßenessen. In den 1950er-Jahren begann man, Reiskuchen mit Gochujang zuzubereiten. Dadurch erhielt das Gericht seine charakteristische rote Farbe und entwickelte sich zu dem Streetfood-Klassiker, den wir heute kennen.
Mit der Zeit wurde die scharfe Variante so populär, dass viele Menschen gar nicht mehr wissen, dass es eine ältere Version gibt.
Warum sich ein Blick in die Vergangenheit lohnt
Wer Gungjung Tteokbokki probiert, entdeckt eine andere Seite der koreanischen Küche. Das Gericht ist weniger scharf, dafür stehen die Aromen von Rindfleisch, Gemüse und Sojasauce im Vordergrund. Es zeigt, dass die koreanische Küche weit mehr zu bieten hat als scharfe Gerichte. Vielleicht liegt genau darin sein besonderer Reiz: Während die moderne Version für das pulsierende Leben auf Koreas Straßen steht, erinnert Gungjung Tteokbokki an die Zeit der königlichen Paläste und Hofküchen. Und manchmal ist es spannend zu entdecken, wie aus einem Gericht für Könige eines der beliebtesten Streetfoods Koreas wurde.
Gungjung Tteokbokki selbst zubereiten
Für unsere Version verwenden wir Reiskuchen, Gemüse, Rindfleisch und die Bulgogi Sauce von Arang. Sie bringt die süßlich-herzhafte Note mit, die hervorragend zu dieser traditionellen Variante passt. Hier geht es direkt zum Rezept für Gungjung Tteokbokki.



