Wenn die Temperaturen in Korea steigen, taucht ein Dessert plötzlich überall wieder auf: Bingsu. Kaum ein anderes Gericht steht so sehr für den koreanischen Sommer wie die große Metallschale mit fein geschabtem Eis.
Heute gibt es unzählige moderne Varianten, doch ursprünglich war Bingsu deutlich einfacher — und genau diese klassische Version begeistert bis heute viele Koreaner am meisten.
Die klassische Form: Patbingsu
Wenn in Korea von Bingsu gesprochen wird, ist oft eigentlich Patbingsu gemeint. „Pat“ bedeutet rote Bohnenpaste und „Bingsu“ steht für geschabtes Eis. Die traditionelle Version besteht aus:
- fein geschabtem Eis
- gesüßten roten Bohnen
- kleinen Reiskuchen (Tteok)
- Kondensmilch
- geröstetem Sojabohnenpulver
Gerade diese Kombination macht den typischen Geschmack aus: Die süßen Bohnen treffen auf kaltes Eis, dazu kommen die leicht zähen Reiskuchen und das nussige Pulver.
Für viele Menschen außerhalb Koreas wirken rote Bohnen im Dessert zunächst ungewohnt. In Korea gehören sie jedoch seit Generationen ganz selbstverständlich zu vielen Süßspeisen.
Warum ist Bingsu so beliebt?
Der Reiz von Bingsu liegt nicht nur im Geschmack, sondern vor allem in der Konsistenz. Das Eis wird extrem fein geschabt und erinnert eher an frischen Schnee als an klassisches Crushed Ice. Dadurch wirkt das Dessert leicht und luftig, obwohl die Portionen oft sehr groß sind.
Außerdem passt Bingsu perfekt zur koreanischen Esskultur:
- verschiedene Texturen
- süß und leicht herzhaft zugleich
- gemeinsam essen
- optisch ansprechend angerichtet
Gerade im Sommer gehört eine große Schale Bingsu für viele Koreaner einfach dazu.
Wie hat sich Bingsu entwickelt?
Die Ursprünge reichen weit zurück bis in die Joseon-Dynastie. Damals wurde Eis in speziellen Lagerhäusern aufbewahrt und für gekühlte Speisen genutzt. Die moderne Form von Patbingsu entwickelte sich jedoch erst im 20. Jahrhundert weiter. Mit der Zeit entstanden immer neue Varianten und Cafés begannen, das Dessert kreativ zu interpretieren.
Besonders ab den 1990er-Jahren wurde Bingsu zunehmend moderner:
- größere Portionen
- aufwendigere Präsentation
- neue Zutaten
- westliche Einflüsse
- Café-Kultur
Heute ist Bingsu längst nicht mehr nur ein traditionelles Dessert, sondern ein fester Bestandteil der modernen koreanischen Food-Kultur. Neben dem klassischen Patbingsu gibt es heute unzählige Varianten: Erdbeer-Bingsu, Mango-Bingsu, Matcha-Bingsu, Oreo-Bingsu, Cheesecake-Bingsu, Kaffee-Bingsu, Schokoladen-Bingsu, Injeolmi-Bingsu. Viele Cafés entwickeln zusätzlich saisonale Spezialversionen.
Warum Bingsu heute weltweit bekannt wird
Durch K-Dramen, K-Pop und Social Media hat koreanisches Essen weltweit enorm an Aufmerksamkeit gewonnen. Besonders Desserts wie Bingsu eignen sich perfekt für Instagram oder TikTok: große Portionen, auffällige Farben und beeindruckende Präsentationen. Trotz aller modernen Varianten bleibt jedoch die klassische Version mit roten Bohnen für viele Koreaner bis heute die eigentliche Seele von Bingsu.

